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Das Keel-Journal für Frauen

Pressen auf der Toilette: in 6 Schritten zu einem Stuhlgang, der den Beckenboden schont

Wer regelmäßig presst, belastet den Beckenboden jeden Tag aufs Neue. Sechs konkrete Schritte, die das Pressen überflüssig machen.

7 Min. Lesezeit

Ruhiges Badezimmer am Morgen mit einem kleinen Fußhocker vor der Toilette

Warum ausgerechnet die Toilette eine Rolle für die Blase spielt

Sie trainieren vielleicht schon. Sie denken an das Anspannen vor dem Husten. Und trotzdem bleibt der Harnverlust hartnäckiger, als Sie erwartet hätten. Einer der Gründe sitzt an einem Ort, über den niemand spricht: der Toilette.

Beim Pressen drückt der Bauchraum nach unten. Der Beckenboden bekommt diesen Druck voll ab. Einmal ist das kein Problem. Jeden Tag, über Monate und Jahre, ist es eine stille Dauerbelastung – für den Beckenboden, für die Blase, für das Gewebe, das die Organe hält.

Die gute Nachricht: An diesem Punkt lässt sich viel ändern, und zwar ohne Aufwand und ohne Geräte. Es geht um Haltung, Rhythmus und ein paar Gewohnheiten. Die folgenden sechs Schritte bauen aufeinander auf. Nehmen Sie sich pro Woche einen vor.

Schritt 1: Die Sitzhaltung ändern – Füße höher

Auf einer normalen Toilette sitzen die Knie etwa auf Höhe der Hüften. In dieser Position bleibt der Darm leicht abgeknickt. Es braucht mehr Druck, damit etwas passiert.

Stellen Sie die Füße auf einen kleinen Hocker, sodass die Knie höher stehen als die Hüften. Beugen Sie sich leicht nach vorn, die Unterarme auf den Oberschenkeln. Der Rücken bleibt lang, nicht rund zusammengesackt. Der Bauch darf locker werden – ziehen Sie ihn nicht ein.

Ein Schuhkarton, ein alter Fußschemel oder zwei dicke Bücher tun es für den Anfang. Sie werden den Unterschied meist schon beim ersten Mal merken.

Schritt 2: Atmen statt pressen

Pressen heißt: Luft anhalten, Bauch hart machen, nach unten drücken. Genau das soll wegfallen. Die Alternative ist langsamer, fühlt sich aber bald natürlicher an.

Atmen Sie ruhig durch die Nase ein. Lassen Sie den Bauch dabei breit werden. Beim Ausatmen machen Sie ein langes, hörbares „Ffff“ oder „Schhh“ durch den leicht geöffneten Mund. Der Bauch arbeitet sanft mit, der Beckenboden bleibt locker und gibt nach unten nach, ohne dass Sie ihn hineinpressen.

Wiederholen Sie das drei-, viermal. Wenn nichts kommt, stehen Sie auf. Sitzenbleiben und weiterdrücken bringt nichts außer Druck auf den Beckenboden.

Schritt 3: Den Zeitpunkt nutzen, an dem der Darm ohnehin arbeitet

Der Darm hat einen eigenen Rhythmus. Am aktivsten ist er meist morgens nach dem Aufwachen und etwa eine halbe Stunde nach einer Mahlzeit. Wer diesen Moment verpasst, weil er in Eile ist, wartet oft stundenlang auf den nächsten.

Planen Sie morgens zehn Minuten mehr ein. Ein Glas warmes Wasser direkt nach dem Aufstehen, dann frühstücken, dann in Ruhe auf die Toilette – in dieser Reihenfolge. Nicht erst im Büro, nicht erst, wenn es gar nicht mehr geht.

Und: Drang nicht aufschieben. Wer den Impuls regelmäßig unterdrückt, bekommt härteren Stuhl und muss später mehr pressen.

Schritt 4: Weicher machen, was zu hart ist

Harter Stuhl ist der eigentliche Grund für das Pressen. Zwei Dinge wirken hier zusammen: Ballaststoffe und Flüssigkeit. Eines ohne das andere funktioniert schlecht.

Ballaststoffe stecken in Haferflocken, Vollkornbrot, Hülsenfrüchten, Gemüse, Birnen, Pflaumen und Leinsamen. Steigern Sie langsam, sonst bläht es. Ein Esslöffel geschrotete Leinsamen im Müsli, dazu ausreichend trinken, ist ein guter Anfang.

Beim Trinken gilt: regelmäßig über den Tag verteilt. Viele Frauen mit Blasenschwäche trinken bewusst weniger, um seltener zu müssen. Das macht den Urin konzentriert und reizt die Blase zusätzlich – und der Stuhl wird härter. Sie lösen damit kein Problem, Sie tauschen eins gegen zwei.

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Frühstückstisch mit Haferflocken, Leinsamen, Obst und einem großen Glas Wasser

Schritt 5: Bewegung, die den Darm in Gang bringt

Der Darm mag Bewegung. Nicht Sport im Sinne von Leistung, sondern regelmäßiges Gehen. Zwanzig bis dreißig Minuten zügig spazieren, möglichst täglich, bringt oft mehr als jedes Hausmittel.

Wenn Sie viel sitzen, stehen Sie stündlich kurz auf. Ein paar Schritte, einmal strecken. Das reicht schon, um die Verdauung anzuschieben.

Sanfte Bauchmassage kann ergänzen: im Liegen mit flacher Hand im Uhrzeigersinn kreisen, rechts unten beginnend, ohne Druck. Zwei bis drei Minuten. Es ersetzt nichts, es unterstützt.

Schritt 6: Beckenboden trainieren – und richtig loslassen

Ein kräftiger Beckenboden hilft auch beim Stuhlgang. Entscheidend ist aber nicht nur das Anspannen, sondern das bewusste Loslassen. Viele Frauen halten ihren Beckenboden den ganzen Tag unbewusst fest und merken es nicht mehr.

Üben Sie deshalb beides: anspannen, halten, und dann wirklich vollständig loslassen – langsam, nicht abrupt. Geben Sie dem Loslassen genauso viel Zeit wie dem Halten. Auf der Toilette brauchen Sie genau diese Fähigkeit.

Und wenn Harnverlust Sie bisher an Einlagen gebunden hat: Ein entspannter Stuhlgang ohne tägliches Pressen nimmt eine Belastung weg, die Ihr Training sonst immer wieder zunichtemacht. Beides zusammen – Training und entlastete Toilettengewohnheiten – bringt die meisten Frauen weiter als eines allein.

Was in den nächsten Wochen realistisch ist

Rechnen Sie nicht mit einer Veränderung über Nacht. Sitzhaltung und Atmung wirken sofort, Ernährung und Rhythmus brauchen zwei bis vier Wochen, bis sich etwas einpendelt.

Notieren Sie sich grob, wie es läuft: Wie oft mussten Sie pressen? War es morgens einfacher als abends? Dieser Blick von außen zeigt Ihnen schneller als jedes Gefühl, ob sich etwas bewegt.

Bleibt die Verstopfung hartnäckig, verändert sich Ihr Stuhlgang plötzlich, kommt Blut, Schmerz oder ein neues Gefühl von Schwere oder Druck nach unten dazu – dann gehört das in die Hände Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes, nicht in einen Selbstversuch. Alles andere können Sie ab morgen früh selbst in die Hand nehmen, beginnend mit einem Hocker vor der Toilette.

Keel ist ein Wellness-Programm, kein Medizinprodukt, und dieser Artikel ist eine allgemeine Information, keine medizinische Beratung. Bei Zweifeln, Schmerzen oder ungewöhnlichen Symptomen sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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